MUSICA ACADEMICA "Herr Tristan Wagner und Frau Isolde Wesendonck"
Veranstaltungsdatum: 17.06.2012


Protokoll eines prominenten Seitensprungs

von Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse

Astrid Kessler, Sopran
Markus Lafleur, Klavier
Michal Majersky, Violine


Der Zürcher Seidenhändler Ottto Wesendonck und seine Frau Mathilde erwiesen dem politischen Flüchtling Richard Wagner großherzige Gastfreundschaft. Zum Dank machte der geniale Komponist der jungen Madame Wesendonck zunächst schöne Augen, dann forsche Avancen. Frau Mathilde erlag schon bald den süßen Sprüchen Wagners und seiner noch süßeren Musik.

Daraufhin begann sie mit dem Schreiben von mehr oder weniger erotischen Gedichten, welche Nachbar Wagner in Musik und ihrer sittenwidrigen Liebe damit ein bleibendes Denkmal setzte. Und weil er gerade auf der Suche nach neuem Opernstoff war, spielte ihm sein Techtelmechtel mit der Hausherrin die passende Vorlage zu – "Tristan und Isolde" wurden geboren mit den fünf "Wesendonck-Liedern" als vorbereitende Handgelenksübung.

Eine Geschichte wie von Rosamunde Pilcher … zauberhaft, hanebüchen. Geschmacklos wohl auch. Man muss sie erzählen, denn ohne diesen von Wagner inszenierten Kitsch-Roman bliebe das Rätsel um die „Fünf Lieder nach Mathilde Wesendonck“ ungelöst. Und ohne das Liebesgetuschel von Richard und Mathilde wäre die Oper "Tristan und Isolde" nie geschrieben worden.

Otto Wesendonck, der gehörnte Ehemann, hat den balzenden Wagner schließlich vor die Tür gesetzt. Er war um eine unschöne Erfahrung reicher … und die Welt um fünf wunderschöne Lieder.


Sonntag, 17. Juni, 11 Uhr
Aula der Universität Osnabrück
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© Annette Kristina Banse, Prof. Dr. Hans Christian Schmidt-Banse