MUSICA ACADEMICA "Die Musik, diese raffinierteste Verführerin der Sinne"
Veranstaltungsdatum: 15.05.2011

Anstiftung zum Mord: Beethovens 'Kreutzersonate' op. 47

frei nach Tolstoi erzählt
von
Annette Kristina Banse und Hans Christian Schmidt-Banse

Solenne Paidassi, Violine
Natsumi Ohno, Klavier


Dass eine Frau erdolcht wird, nur weil sie Klavier spielt und einen befreundeten Geiger bei Beethovens ‚Kreutzersonate’ begleitet, dürfte gottlob eher zu den seltenen Ereignissen der musikalischen Interpretationsgeschichte zählen. Ermordet nicht wegen falscher Fingersätze oder grobem Anschlag, sondern weil ein pathologisch eifersüchtiger Ehemann argwöhnt, gemeinsames Musizieren erfülle bereits den Tatbestand vollzogenen Ehebruchs ... ein delikates und bis auf den heutigen Tag ungelöstes juristisches Problem.

Der im Affekt tötende Ehemann argwöhnt, dass ein intimes Beieinander mit unvermeidbarer körperlicher Berührung zu moralischen Irritationen führen müsse. Doch nicht nur die körperliche Nähe, so der Ehemann, erzeuge verwerfliches Verhalten. Die eigentliche Verführungsgewalt liege in der Musik selbst: „Man sagt, die Musik wirke erhebend auf die Seele. Unsinn ist das, Lüge! Sie wirkt entsetzlich, aber durchaus nicht erhebend".

Es ist Ludwig van Beethovens Sonate für Violine und Klavier Nr. 9 A-Dur op. 47 (genannt ‚Kreutzersonate’), darin Leo Tolstoi in seiner berühmten Novelle ‚Die Kreutzersonate’ den Stein des Anstoßes zu Sex and Crime wittert. Dieser Fall sei jetzt erneut aufgerollt, die Geschichte nacherzählt, die Musik der ‚Kreutzersonate’ auf den Prüfstand geschickt ... ist sie wirklich eine Mordgelüste weckende Droge, wie Ehemann Posdnyschew vermutet, den übrigens die Gerichte seinerzeit freisprachen?

Das bewährte Autorenteam Banse/Schmidt-Banse protokolliert, frei nach Tolstoi, den Justiz-Skandal rund um besagte Violinsonate, betörend schön gespielt von Solennes Paidassi, Finalistin des Internationalen Violinwettbewerbs Hannover, Joseph Joachim gewidmet.


Aula der Universität Osnabrück
15. Mai 2011 um 11 Uhr
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© Annette Kristina Banse, Prof. Dr. Hans Christian Schmidt-Banse